Vertrauensindex BundespolitikerInnen Österreich Jänner 2026

Kommentar von Wolfgang Bachmayer

Der erste Vertrauensindex im Neuen Jahr sieht den größten Teil aller PolitikerInnen im Vertrauensminus, zeigt aber auch eine Beruhigung im Vergleich zu den Erhebungen im Vorjahr.

Nur wenige konnten im Vergleich zu September 2025 zulegen, dazu gehört Finanzminister Marterbauer mit einem Vertrauenssaldo von plus 8 und einem Zuwachs von 4 Punkten. Er wirkt wie ein faktenbasierter Fachmann, der bei Budgetwünschen auch Nein sagen kann. Er hält auch die Koalitionsvereinbarungen, obwohl er seine Sympathien zu einer Vermögens- und Erbschaftssteuer nicht verhehlt.

Einen ebensolchen Zuwachs von 4 Punkten konnte Claudia Bauer (vormals Plakolm) erreichen, die ihre Migrations- und Integrationspolitik bis hin zum Kopftuchverbot konsequent durchzieht.

Aber auch Herbert Kickl erreicht einen Zuwachs von 2 Punkten. Er konnte damit auch seinen Stammplatz als Letzter im Vertrauensindex verlassen, steckt aber insgesamt noch deutlich im Vertrauensminus. Sein aktueller Zuwachs ist wahrscheinlich mit den Zugewinnen der FPÖ zu erklären, Kickl erreicht die höchsten Vertrauenswerte aller Parteiobleute in der eigenen Wählerschaft.


Die Liste der Absteiger im Vergleich zum letzten Vertrauensindex von September 2025 wird mit einem Verlust von 16 Punkten von ÖVP-Klubobmann August Wöginger angeführt in Folge der Amtsmissbrauchsaffäre (Besetzung der Leitung des Finanzamts Braunau).

Ganz knapp hinter Wöginger folgt bei den Verlusten Sepp Schellhorn (Abstieg um minus 15 Punkte), der einige Fettnäpfchen wie beim Upgrade seines Dienstwagens nicht auslassen konnte, auch sein Bürokratieabbau ist überschaubar (außer beim Kfz-Pickerl).

Andreas Babler verliert seit September weitere 8 Punkte und liegt nur mehr knapp vor Herbert Kickl. Dabei hat er sich eigentlich bei breitenwirksamen Themen wie Mietendeckel, MwSt-Lebensmittel durchgesetzt, wird aber nicht von allen Teilen der Partei unterstützt und muss viel Gegenwind von der Kronenzeitung und allerlei Umfragen aushalten.

Beate Meinl-Reisinger verliert seit September 7 Punkte – möglicherweise wegen zu vieler Aussagen zur Vertiefung der EU und einer europäischen Armee. Was in der eigenen Klientel gern gehört wird, muss nicht in der gesamten Wählerschaft ankommen.

Auch Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig verliert 7 Punkte, wahrscheinlich präsentiert er sich zu sehr als Lobbyist der Bauern, die kaum 3 Prozent der Wählerschaft ausmachen.


Bundeskanzler Christian Stocker konnte sich mit seiner ruhigen unaufgeregten Art am sehr guten 5. Platz halten mit einem Vertrauenssaldo von nur minus 1. Auch wenn er in der Kanzlerfrage in den Umfragen nicht besonders gut abschneidet, erreicht er bei den Anhängern der Koalitionsparteien Vertrauen.

An der Spitze der Vertrauenspyramide steht wie immer der Bundespräsident, auch wenn seine Vertrauenswerte in den letzten Jahren kontinuierlich gesunken sind.

Methodik: Für den Vertrauensindex Bundespolitik wurden 1.008 repräsentativ ausgewählte ÖsterreicherInnen ab 16 Jahren im Zeitraum 12.-15.1.26 befragt. Max. Schwankungsbreite 3,1%. Die Fragestellung ist seit Beginn des Vertrauensindex seit Jahrzehnten immer gleich und lautet „Vertrauen Sie … oder vertrauen Sie … nicht oder kennen Sie … nicht?“.

Der Vertrauenssaldo errechnet sich als Differenz der Prozentwerte „vertraue“ minus „vertraue nicht“. Für Zuwächse/Verluste im Zeitvergleich wird die Veränderung dieses Saldos gegenüber der letzten Erhebung herangezogen.

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